Faires Laden in einer Tiefgarage mit wenigen Ladepunkten gelingt mit drei Bausteinen: gemeinschaftliche statt privat zugeordneter Ladepunkte, feste Zeitfenster statt „wer zuerst kommt", und eine schriftlich beschlossene Regel, an die sich alle halten. Feste Zuordnung ist die teuerste Lösung, die Liste im Hausflur die kurzlebigste – ein Buchungssystem verteilt dieselbe Hardware auf ein Vielfaches an Fahrzeugen.
Warum es in der Tiefgarage schneller kippt als am Bürostandort
Am Arbeitsplatz verteilt sich der Ladebedarf über den Tag – jemand fährt um elf, jemand kommt um zwei. In der Wohnanlage nicht: Alle kommen abends nach Hause, alle wollen über Nacht laden, und niemand parkt um drei Uhr morgens freiwillig um. Dazu kommt, dass es nachts keinen Hausmeister gibt, der vermittelt. Ein Ladepunkt, der am Bürostandort drei Fahrzeuge am Tag versorgt, versorgt in der Tiefgarage faktisch eines – solange keine Regel etwas anderes vorsieht.
Deshalb kippt die Stimmung dort früher. Die zweite E-Auto-Partei im Haus ist der Moment, in dem aus „wir haben eine Wallbox" ein Konfliktthema auf der Eigentümerversammlung wird.
Die vier Modelle im Vergleich
| Modell | Investition | Fairness | Aufwand für die Verwaltung | Trägt bis etwa |
|---|---|---|---|---|
| Feste Zuordnung (Wallbox je Stellplatz) | Sehr hoch – jede Partei baut einzeln | Hoch, aber nur für die, die zahlen | Gering im Betrieb, hoch bei Genehmigung und Netzanschluss | Solange Anschlussleistung und Budget reichen |
| Gemeinschaftlicher Ladepunkt ohne Regeln | Niedrig | Niedrig – wer zuerst kommt, blockiert die Nacht | Hoch: jede Beschwerde landet bei Ihnen | Zwei E-Autos |
| Liste, Chatgruppe, Zettel | Keine | Mittel, solange alle mitmachen | Hoch, und nicht delegierbar | Drei bis vier E-Autos |
| Gemeinschaftliche Ladepunkte mit Buchung | Niedrig zusätzlich zur Hardware | Hoch – Regeln gelten für alle gleich | Gering: die Regel entscheidet, nicht die Verwaltung | Zweistellige Zahl an Fahrzeugen je Ladepunkt |
Der Sprung, der am meisten bringt, ist selten der von drei auf sechs Ladepunkte, sondern der von „ungeregelt" auf „geregelt". Eine 11-kW-Wallbox liefert in drei Stunden rund 33 kWh – für die meisten Alltagsstrecken reicht das, und in einem Nachtfenster von 20 bis 6 Uhr passen drei solcher Zeitfenster hintereinander.
Sechs Regeln, die in der Praxis halten
- Maximaldauer je Ladevorgang. Drei bis vier Stunden im Abendfenster, längere Zeitfenster nachts. Ohne Obergrenze belegt das erste Fahrzeug den Ladepunkt bis zum Morgen.
- Feste Zeitfenster statt Ankunftsreihenfolge. Wer weiß, dass er von 22 bis 2 Uhr dran ist, muss nicht um 18 Uhr sein Auto vor die Wallbox stellen.
- Umparkpflicht mit Frist. Ist der Ladevorgang beendet, wird der Platz freigemacht – die Regel braucht eine konkrete Frist, sonst ist sie keine.
- Eine No-Show-Regel. Wer sein Zeitfenster zweimal ungenutzt verfallen lässt, verliert den Vortritt. Das ist der Punkt, an dem Buchungssysteme fairer werden als Listen: Ein nicht genutztes Fenster fällt automatisch zurück in den Pool.
- Bedarf vor Gewohnheit. Wer täglich pendelt, braucht öfter Zugang als wer alle zwei Wochen 40 Kilometer fährt. Eine Obergrenze je Partei und Woche bildet das ab, ohne dass jemand Fahrtenbücher prüfen muss.
- Ein Eskalationsweg. Bei Streit entscheidet die Verwaltung nach der beschlossenen Regel – nicht nach Zuruf in der Chatgruppe.
Was in den Beschluss gehört
Die Regeln wirken erst, wenn sie beschlossen und schriftlich verteilt sind. Bewährt haben sich sechs Bausteine: Geltungsbereich (welche Ladepunkte), Zugangsberechtigte, Zeitfenster und Maximaldauer, Umparkpflicht und Fristen, Umgang mit Verstößen, Zuständigkeit und Änderungsverfahren. Eine fertige, anpassbare Fassung finden Sie in unserer Laderichtlinie-Vorlage – ursprünglich für Unternehmen geschrieben, die Struktur passt aber ebenso für eine Wohnanlage.
Kosten, Zähler, Abrechnung – kurz eingeordnet
Verlangt eine einzelne Partei nach § 20 Absatz 2 WEG eine Lademöglichkeit, trägt sie die Kosten selbst, und nur ihr gebühren die Nutzungen (§ 21 Absatz 1 WEG). Beschließt die Gemeinschaft dagegen gemeinschaftliche Ladepunkte, braucht es eine Regel für den Strom: entweder ein Zwischenzähler je Ladepunkt mit Umlage über die Betriebskosten oder eine Abrechnung je Nutzer über die Ladehardware. Die Verteilung der Zeit ist davon unabhängig – und in der Praxis das, worüber gestritten wird.
Wie viele Ladepunkte brauchen wir überhaupt?
Bevor Sie über Verteilung diskutieren, lohnt die Bestandsaufnahme: Der Ladepunkt-Rechner zeigt, wie viele Ladepunkte Ihr Objekt gesetzlich braucht und wie viele Parteien bei Ihrer heutigen E-Quote rechnerisch leer ausgehen. Welche Pflichten dabei für Wohnanlagen gelten, steht in unserem Leitfaden GEIG-Pflicht für WEG und Hausverwaltung.
Häufige Fragen
Dürfen wir Ladezeiten in der Tiefgarage vorschreiben?
Für gemeinschaftliche Ladepunkte kann die Gemeinschaft Nutzungsregeln im Rahmen ordnungsmäßiger Verwaltung beschließen. Für eine Wallbox, die einer einzelnen Partei auf eigene Kosten gestattet wurde, gilt das nicht – dort gebühren die Nutzungen nach § 21 Absatz 1 WEG dieser Partei.
Was ist mit Besuchern und Handwerkern?
Regeln Sie es ausdrücklich, sonst wird es zur Streitfrage. Üblich ist ein kurzes Gastfenster tagsüber, wenn die Anlage ohnehin frei ist.
Brauchen wir Lastmanagement?
Sobald mehrere Ladepunkte gleichzeitig laufen könnten, ja – der Hausanschluss ist meist die härtere Grenze als die Zahl der Wallboxen. Zeitfenster wirken in dieselbe Richtung: Sie entzerren die Nachfrage, statt sie zu addieren.
Allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Quellen: §§ 20, 21 WEG; § 554 BGB; § 10 GEIG.